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Vom Hobby zum Chocolatier – Teil 1 Sydney

Fachbücher Patisserie Confiserie Perfekte Pralinen Jean Pierre Wybauw

Wollt ihr wissen wie ich dazu kam Chocolatier zu werden, wie alles angefangen hat? chocolate valley ist, wenn man es ganz genau nimmt eigentlich schon 9 Jahre alt. Ich erzähl euch alles!

‚Wie kommt man denn darauf Pralinen zu machen?‘

Hmm, wie kommt man darauf … keine Ahnung, ich wollte einfach wissen wie es geht. Vielleicht nennt man genau DAS Berufung? Ich kann es ehrlich gesagt nicht beantworten. Es kam jedenfalls der Tag an dem ich mir ein Buch über die Herstellung von Pralinen zulegte.

Alle fachlich versierten (Hobby-) Chocolatiers die hier mitlesen kennen sicherlich die Fachbücher von Jean-Pierre Wybauw. Und alle fachlich versierten (Hobby-) Chocolatiers die hier mitlesen wissen sicherlich, dass das nicht die allerbeste Lektüre ist, um als Vollblut-Laie ins Pralinen Business einzusteigen.
In meinem Perfektionismus wollte ich mich damals direkt mit Fachlektüre eindecken und kaufte mir genau eines dieser Bücher. Perfekte Pralinen von Jean Pierre Wybauw – und war völlig überfordert. Praliné 50/50? Invertzucker? Ich wusste zum Teil nicht einmal was die Rohstoffe bedeuten, von den Begriffen die Praxis betreffend ganz zu schweigen. Refraktometer? Kristallstruktur? Deckeln? Abziehen? Aber gut, nun war das Buch da, also sollte es sich auch gelohnt haben. Nicht!
Die ersten ‚Pralinen‘ waren eine Katastrophe. Und ich war damals noch nicht sonderlich gut in Geduld, ich wollte direkt Erfolge sehen. Das Buch landete also, zur Strafe, dass es nicht hielt was ich mir davon versprochen hatte im Regal. Ein Jahr lang.

Während mein Buch einstaubte kam ich mit meiner damaligen Arbeitskollegin auf die überragende Idee, einfach ein paar Monate nach Australien abzuhauen. Einige Zeit später haben wir es dann gemacht. Doch meine Kollegin stieg, zusammen mit meinem Freund, erst vier Wochen nach mir in den Flieger, es war nicht anders machbar. Wiederum eine Woche später sollte auch noch meine liebe Nadine nachkommen, die sich, nachdem ich ihr von meiner Reise erzählt hatte, mir anschloss, ihren Job schmiss und sich nach Australien selbstständig machte.

Da stand ich also, im Februar in Sydney in Australien. Alleine.

Sydney Australien aus der Luft Opera House

Nachdem ich Sydney und Umgebung erkundet hatte wurde mir allmählich langweilig. Meine Bekanntschaften aus dem Hostel waren Backpacker und auf der Suche nach Jobs um ihre Reisekasse wieder aufzufüllen und weiter zu ziehen. Sie hatten somit nicht sonderlich viel Zeit. Da dachte ich, ich könnte mir zum Zeitvertreib bis meine Kollegin und auch mein Freund eintrafen einen kleinen Job suchen. Heute würde mir da ehrlich gesagt auch etwas besseres einfallen, ich war schließlich in Australien, da kommt man auch nicht alle Tage hin. Meinem ich von damals fiel offenbar nichts besseres ein, wobei ich sagen muss, dass ich es praktisch sah. Finanzen optimieren für die restliche Reise und Zeit vertreiben. Alleine Reisen war sowieso nicht ganz mein Ding. Ich schrieb also einen Lebenslauf, kopierte ihn im Copy Shop und verteilte ihn einfach überall. In Restaurants, Hotels, Büros, Geschäften. So machten das die Backpacker hatte ich gelernt. By the way – ich möchte nicht wissen, wie anstrengend das für die Gewerbetreibenden Sydney’s sein muss, bei dieser Flut an arbeitswütigen Backpackern. So, sorry for that …

Bei meiner großzügig angelegten ‚Wer-will-meinen-Lebenslauf‘ Verteil-Aktion schlenderte ich gerade durch die George Street Richtung Opera House. Da war dieser herrliche Haigh’s Chocolate Store. Wenn ich an ihm vorbei lief spickte ich immer rein, ganz angetan von diesem speziellen Flair das dieser Laden ausströmte. Hinter der Theke ordentlich gekleidete Angestellte mit einem Lächeln auf den Lippen, Schürzchen um die Hüften und Baumwollhandschuhen an den Händen, um auf den wertvollen Schokoladen keine Tapsen zu hinterlassen. Alles wirkte sorgsam, ordentlich, verlockend und strahlte Geborgenheit und Wärme aus. Und da war er, der Aushang. ‚Staff wanted‘. Ich bin direkt reingelaufen und habe gefragt wo man sich bewerben kann.

Mein Ehrgeiz war wieder geweckt

Jean Pierre Wybauw Perfekte Pralinen Refraktometer Brix Baumé

Die Bewerbung lief online, man musste ein Formular ausfüllen und auf Rückmeldung warten. Ich wartete … und bekam eine Absage. Bis dahin hatte ich schon übergangsweise einen Job in einer Bäckerei ergattert und besserte meine Kasse etwas auf, bis wir anfingen Australien zu erkunden. Hier kam zwar auch alles anders als geplant, aber das war gut so.

Ihr denkt jetzt vielleicht ‚Na super, ist doch blöd, dass das nicht geklappt hat‘ aber es war eigentlich egal. Ich habe den Job in der Chocolaterie zwar nicht bekommen, aber alleine der Gedanke daran kitzelte in mir wieder meine Schokoladen Neugier wach. Es ließ mir einfach keine Ruhe und ich wusste, dass ich mich zu Hause wieder ans Werk machen musste. Dieses mal aber vielleicht mit einem anderen Buch.

Wie meine tatsächlich ernst zu nehmenden ersten Gehversuche in der Pralinenküche aussahen, wie oft ich dabei beleidigt auf dem Küchenboden hockte und welches Ausmaß dieses Hobby bei uns zu Hause annahm, lest ihr im nächsten Post. Ein paar Buch Tipps gibt’s auch.

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